Nachhall

Kennenlernen

Leserstimme

 

Stellvertretend für viele liebe Zuschriften von Leserinnen und Lesern, möchte ich hier exemplarisch einige E-Mails zur Kenntnis bringen: drücken sie doch besser aus, was ich mir erwünscht habe, als ich es selbst jemals formulieren könnte.
 

25. Oktober 2021

Lieber Martin, lieber Paul (und wer noch alles),

herzlichen Dank für Eure Arbeit! Die Tage, in denen ich die neue Ausgabe des Nachhall in den Händen halte, sind Festtage. Mit Aufregung, Aufsparen bis zu einem ruhigen Moment, Überraschung und neuer Freude. Angesichts der kleinen Abonnentenzahl könnte ich Euch ein Aufgeben nicht verdenken, und doch hoffe ich nun jeden Monat auf ein neues Päckchen Anregungen, Mutmachungen und Horizonterweiterungen!

(...)

Herzliche Grüße

Thomas Adolphi


17. März 2021

Lieber Martin,

ziemlich genau vor 4 Wochen fischte ich den ersten braunen Umschlag von NachHall aus meinem Packen Post. Ich war ehrlich gerührt von dem offensichtlich mit viel Bedacht zusammengestellten Brief. Die Versandtasche berührte mich im wahrsten Sinne des Wortes. Und die Briefmarke - Vincent van Gogh, Mohnfeld - war mitten im Februar ein kleiner, gern empfangener Gruß aus der noch schlafenden Welt der Farben und Wohlgerüche und der feinen Summtöne. Ein schönes Erlebnis war es auch die losen Blätter zu befühlen und sie in Augenschein zu nehmen. Ich freute mich über eine Verbundenheit mit einem Unbekannten, der das so auswählte und abschickte.

 

Ich überlege was mein eigener Antrieb war dieses Projekt als Leser zu begleiten. 1. Die Grundidee des erst mal unbekannten Schreibers mit ebenso unbekanntem Hintergrund gefiel mir sofort. Ich lasse mich also ein Stück weit überlisten, trete aus dem Gewohnten heraus. Das ist eine gute Möglichkeit Unvoreingenommenheit zu üben. 2. Der Gedanke sich auf Altbewährtes zu besinnen - festes, gutes und schönes Papier, ungebunden, das Buch noch nicht fertig, ich kann entscheiden, was bleibt und was nicht bleibt, meinen Teil - zumindest in der Gestaltung - noch beitragen. Die Blätter eröffnen mir einen Raum für eigene Gedanken und geschriebene Worte. Das gefällt mir ausnehmend gut, weil das meiner Lebensführung entspricht. Ich will selber machen oder mindestens gestaltend eingreifen, was mich umgibt, wo immer es möglich ist und dabei meine Außenwelt verinnerlichen. In der Waldorfpädagogik ist ein wichtiges Kriterium für die Auswahl von Spielsachen, dass die Kinder das Echte/Unverfälschte (einfachste Spielsachen aus Holz, Stein, Wolle) kennenlernen, damit sie Wertvorstellungen entwickeln können. Aber auch wir Erwachsenen brauchen das Echte, damit wir uns nicht verlieren in einer hoch technisierten Umwelt, die wir in vielen Bereichen nicht mehr durchschauen können. So fühle ich mich tatsächlich von dem schönen Papier und der Blatteinteilung bereichert und angeregt zugleich. Ob der Inhalt hält was die Aufmachung verspricht? Nun, man kann unterstreichen, aber auch durchstreichen, man kann Sternchen aufmalen oder mit großen Buchstaben NEIN! darüber schreiben....man kann nach reiflicher Prüfung entscheiden einen Text nicht zu verwahren und eine hübsche Schachtel aus dem Papier basteln oder einen flotten Flieger... die Loseblattsammlung will mit Fantasie und eigenen Gedanken behandelt werden. Find ich gut!

So fing ich an zu lesen.
"Liebe Susanna, ..." wie schön, ich bin Gleiche unter Gleichen... niemand, der sehr geehrt weit weg gerückt wird. Folgerichtig geht es mit dem "Du" weiter. Ich "Susanna" bin also wirklich angesprochen! Und so ging ich die einzelnen Texte über viele Tage durch, an einem Tag jeweils nur einen. Wegen der Ruhe, denen ich sowohl den Schreibern als auch dem, der das auswählte einräumen wollte, innerlich und äußerlich.

Da ich mittlerweile auch schon die zweite Sammlung durchgearbeitet habe, kann ich vorwegnehmen, dass ich tatsächlich an Geschriebenes von unbekannter Herkunft viel freier herangehe. Heute, da ich von der ersten Sammlung die Autoren zumindest vom Foto, Namen und einer kurzen Vorstellung kenne, wird mir bewusst, dass alleine das Foto des Verfassers mich in meiner Entscheidung den Text zu lesen oder nicht oder auch wie ich lese, beeinflusst. Wir müssen alle entschieden Wichtiges von Unwichtigem trennen und der erste Eindruck ist vielleicht der einzige, den wir zulassen. Das kann das Gesicht oder die Haltung des Schreibers auf einem kleinen Foto sein. Erzeugt dieses Foto kein gutes Gefühl, dann ist da schon etwas passiert, das mich beeinflusst.

Zusammenfassend kann ich sagen:

Ja!

Alle Texte schwingen nach.

Ich habe meinen Horizont erweitern können.

Ich habe spannende Menschen kennengelernt. Zuvor durfte ich rätseln, wer wohl diesen Text verfasst hat. Hab ich auch getan.

Ich habe mich auf Texte eingelassen, die ich bestimmt im Internet nicht bis zum Schluss oder gar nicht gelesen hätte. Und das war gut so.

Es befindet sich auch etwas darunter, bei dem sich mir die Nackenhaare sträuben. Ich lese gerade auch diesen Text mehrmals. Ziehe mich also weniger schnell zurück aus einer inneren Auseinandersetzung mit dem fremden Gedankengut. Lasse mich darauf ein. Bespreche es mit meinem Lebensgefährten. Überlege was ich mit dem schönen Papier später basteln könnte.....

Die Überschrift besteht aus drei schlagenden Begriffen....geschickte Herangehensweise.

 

Lieber Martin, das reicht fürs erste... ich will deine Zeit nicht überbeanspruchen. Mir gefällt NachHall. Gerne bleibe ich dabei. Geld zusätzlich kann ich leider nicht geben. Dafür empfehle ich das Projekt weiter wo ich kann.

Vielen Dank für die Verwirklichung deiner Vision, die mich begeistert.

Viel Glück und Segen.

Herzliche Grüße

Susanna Felder